Thomas Wawra zählt zu den hiesigen Experten, wenn es um DataCenter und IT-Infrastruktur geht. Mit seiner DCE Academy – Datacenter Experts bietet er seit 2006 Seminare und Ausbildungswege rund um das Thema Rechenzentrum. Wie schafft man aber bei so einem dichten Terminkalender am aktuellen Stand der Technik zu bleiben? Und was sind die neuesten Trends im DataCenter Bereich? Dieses und vieles mehr erzählt er unserer Kollegin Stefanie Frühwirth im folgenden Interview. Eins ist sicher: es geht eindeutig in Richtung Micro-DataCenter.

Ihren Namen kennen wir bereits. Verraten Sie uns mehr?

Thomas Wawra: Ja, gerne! Name beiseite 🙂  – ich bin Diplomingenieur von der Technischen Universität München. 1996 habe ich mich im Bereich Secure Messaging in Deutschland selbstständig gemacht und nach dem Verkauf meiner US-amerikanischen Firma 2006 die DCE Academy gegründet. Durch meine Erfahrung in den USA ist die Thematik Rechenzentrum mir sehr vertraut: sie ist krisensicher, spannend, sehr heterogen.

 

Was macht die DCE Academy genau?

Thomas Wawra: Die DCE Academy ist Aus- und Weiterbildungsstätte im Bereich Rechenzentrum. Für neue Mitarbeiter bieten wir die Ausbildung zum DataCenter Spezialist an. Die verschiedenen Gewerke im Rechenzentrum stellen spezielle Herausforderungen dar, insbesondere beim Betrieb, der die Schnittstelle zwischen IT und Facility ist.

Richtet sich die Ausbildung auch an die RZ-Norm EN 50600?

Thomas Wawra: Seit Ende 2015 basieren alle unseren Schulungen komplett auf der EN 50600. Davor haben wir uns an andere US-amerikanische Normen orientiert und später in die EN 50600 „übersetzt“. Zudem arbeiten unsere Referenten selbst im Normkreis auf nationaler als auch auf internationaler Ebene mit.

Es gibt viele Ausschreibungen im Bereich Rechenzentrum, wie kann man sich am besten vorbereiten?

Thomas Wawra: Nach einer einfachen To-do-Liste: 1. Was ist der Stand der Technik. 2. Was tut sich bei mir in den verschiedensten Gewerken – Brandschutz, Strom, Klimatisierung, Wartekühlung, Warm – oder Kaltgang. 3. Was gibt es am Markt. Die EN50600 bietet hier insgesamt eine hilfreiche Orientierung.

Was sind die „must haves“ bei der Planung und beim Betrieb eines Rechenzentrums?

Thomas Wawra: Von Anfang an müssen alle Beteiligten an einen Tisch kommen – Einkäufer inklusive. Gerade bei den Operations hat man die Facility Seite und die IT-Seite beisammen – und bei unserer Schulung versuchen wir beide Seiten füreinander zu sensibilisieren. Eine solche Stakeholder Analyse ist beispielsweise ein elementarer Bestandteil der DATACENTER OPERATIONS PROFESSIONAL Schulung.

Wie lassen sich Ihrer Meinung nach Energieeffizienz und Kosteneffizienz im IT-Umfeld kombinieren?

Thomas Wawra: Eine Quadratur des Kreises gibt es nicht, es ist das klassische Capex vs. Opex, d.h. es gilt Investition vs. Betriebskosten abzuwägen. Wichtig ist die Gesamtheit zu betrachten. Man muss vor allem spezifizieren, was die IT braucht und dementsprechend das Rechenzentrum planen.

Brandschutz ist ein ganz elementares Thema – ob mit Wasser, Argon Löschanlagen oder wasserbasierten Hi-Fog Anlagen. In diesem Seminar werden alle Pros und Cons entsprechend vor dem Hintergrund Capex vs. Opex (Investitions- vs. Betriebskosten) betrachtet und die beste Lösung für den Kunden erarbeitet.

Dipl. Ing. Thomas Wawra

Geschäftsführer, DCE Academy - Datacenter Experts

Warum gibt es heute DataCenter, die zur Hälfte leer stehen?

Thomas Wawra: Weil der Platzbedarf sich nicht entwickelt hat wie angenommen. Alles ist viel kleiner und mit viel höherer Leistung geworden.

Wo sehen Sie die Bereiche Rechenzentrum und IT-Infrastruktur in den nächsten 10 Jahren?

Thomas Wawra: 5G – das autonome Fahren wird in Zukunft ein großes Thema sein. Wir werden viele Micro DataCenter und viele kleine DataCenter brauchen – kleine storage rooms. Möglicherweise wird es ein Mix sein – Micro DataCenter, zentrale DataCenter plus Colocations, samt Cloud.

Ist es ein Vorteil mehrere kleine DataCenter zu haben?

Thomas Wawra: Ja, denn es fallen immer mehr Daten an, daher a) werden wir immer mehr kleine lokale Rechenzentren haben, die die Daten mithilfe von künstlicher Intelligenz verarbeiten, b) macht es wenig Sinn alle Daten zentral zu haben, weil ich die Daten lokal und schnell verfügbar brauche.

Vielen Dank für das Interview!

Stichwort EN50600 und TSI.STANDARD – welcher Hauptnutzen entsteht für DataCenter-Betreiber?

Thomas Wawra: Die EN50600 behandelt von der Strategiefindung, Geschäftsrisikoanalyse, die Gewerke-Ebene mit Strom und Klima sowie Betrieb- und Leistungskennzahlen zur Optimierung alle Aspekte eines Rechenzentrums. Zum ersten Mal wird die Qualität meines Rechenzentrums messbar – sowohl europäisch als auch mit der EN50600 als ISO Norm weltweit.

Bei meinem eigenen Rechenzentrum kann ich behaupten, ich sei mit der EN50600 auf gutem Level ?

Thomas Wawra: Genau. Es ist eine Orientierungshilfe. Vor allem weil es international wird, denn diese EN Norm wird in Zukunft eine ISO Norm.

TSI.STANDARD – wo ist hier der Unterschied?

Thomas Wawra: TSI.STANDARD ist vom TÜViT, ein Unternehmen des TÜV Nord – sie waren die ersten, die als externer Auditor vor über 10 Jahren aufgetreten sind, um als unabhängiger Dritter Rechenzentren zu zertifizieren.

Inwiefern betreffen diese Normen die IT-Verfügbarkeit?

Thomas Wawra: Salopp gesagt: ohne Strom nichts los – das bedeutet, das eine spielt mit dem anderen zusammen und spiegelt sich in den verschiedenen Verfügbarkeitsklassen 1-4 wider.

Wie bleiben Sie am neuesten Stand? Welche Tipps können Sie unseren Lesern empfehlen?

Thomas Wawra: 1. Messen besuchen 2. Große Veranstaltungen der IT besuchen, mit dem Vorteil, neben dem Wissenstransfer auch Tipps und Tricks zu bekommen und mit Gleichgesinnten ein Netz aufzubauen  3. Das Buch von Bernd Dürr zum Thema Rechenzentrum lesen.

Die wichtigste Frage ist, wo die Reise mit der IT hingeht. Heute gibt es z.B. DataCenter, die zur Hälfte leer stehen.

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